Die 65km² große Insel „llha de Itamaracá“ befindet sich circa 50 Kilometer nördlich von Recife. Sie ist nicht unbedingt ein Geheimtipp, denn sie wird in jedem Reiseführer über Recife beschrieben. Lesen wird man aber nur über die Strände, die von Holländern 1631 erbaute Festung “Forte Orange” und über die Sandbank “Coroa de Avião”. Neben dem „Forte Orange“ gibt es viele Strandbars, wo man schön Sitzen und Sonnenbaden kann. Für unseren Geschmack werden aber dort Fische, Meeresfrüchte und Getränke teilweise zu überhöhten Preisen angeboten. Mit kleinen Booten kann man sich zur Sandbank “Coroa de Avião” übersetzen lassen. Sicherlich ist es dort sehr schön für den sonnenhungrigen Urlauber, man muß aber entsprechende Preise und etwas Nepp in Kauf nehmen.
An den Wochentagen ist es außerhalb der Ferienzeiten relativ ruhig. Am Wochenende, vor allem Sonntags, kann es auch voll werden. Am Strand neben dem “Forte Orange” bleiben dann auch die meisten Einheimischen sowie Touristen aus dem In- und Ausland. Nachmittags, einige “cachaças” - dem landestypischen Zuckerrohrschnaps - oder “cervejas” später, verlassen die meisten Tagesausflügler wieder die Insel. Autofahrer sollten dann etwas vorsichtig sein, einige Brasilianer setzen sich auch alkoholisiert ans Steuer.
Das ist so das Standartprogramm, auch für die “Recifenses”, den Bewohnern von Recife. Die Insel selbst kennt kaum jemand gut. Sie hat aber noch viel mehr zu bieten.
Unser Vorschlag für einen Tagesausflug sieht etwas anders aus: mit dem Leihwagen, alternativ mit einem Festpreis gemieteten Taxi oder auch mit dem Bus (etwas komplizierter für diese Tour mit Zwischenstopps) fährt man Richtung “Paulista” bis zur Ortschaft “Igarassu”. Hier empfehlen wir einen ersten Zwischenstopp.
Igarassu ist eine der ältesten Städte Brasiliens. Die kleine Ortschaft wurde 1535 noch vor Olinda gegründet. Hier steht auch Brasiliens älteste Kirche “São Cosme e Damião” von 1535. Das Kloster “Santo Antônio” ist vielleicht noch interessanter. Verschiedene andere historische Sehenswürdigkeiten aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, machen den Ort zu einer besonderen Sehenswürdigkeit. Das Franziskanerkloster “Santo Antônio” wurde 1588 gegründet, aber von den Holländern gebrandschatzt und anschließend bis zum Anfang des 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. Sehenswert ist vor allem die im Obergeschoß untergebrachte Gemäldesammlung, Pinacoteca: unbekannte Meister malten große Tafelbilder mit Heiligen und einer Schilderung der Pest in Olinda im Jahr 1685, von der Igarassu wunderbarerweise verschont blieb.
Da wir einen Tagesauflug beschreiben, sollte es nach der Besichtigung weitergehen Richtung Itamaracá. Nach etwa 10 Kilometern erreicht man das Örtchen “Itapissuma”. Sobald Sie an der Brücke ankommen, welche das Festland mit der Insel Itamaracá verbindet, sollten Sie noch mal eben anhalten, um in einer der einfachen Bars auf der linken Seite am Wasser mit Blick auf die Insel Platz zu nehmen.

Probieren Sie unbedingt eine “caldeirada”, ein Süppchen mit Fisch und Meeresfrüchten, serviert in einem kleinen Becher. In keinem Luxusrestaurant von Recife oder Olinda bekommt man eine bessere, einfach köstlich! Die “caldeirada“ kann man anstatt eines kleinen Bechers als Appetitanreger auch als vollständiges Gericht mit Reis bestellen.
Nach der kleinen Stärkung im Fischerort Itapissuma mit der wundervollen Aussicht auf Itamaracá, geht es weiter über die Brücke zur Insel. Nach einigen Kurven über gut asphaltierte Straßen bitte aufpassen und auf das Schild am rechten Straßenrand “Vila Velha” achten. Dort rechts einbiegen und die Pflastersteinstraße verfolgen bis Sie nach etwa 3 Km die Miniortschaft “Vila Velha” erreichen.
Die “Vila Velha“ (Altes Dorf) mit seinen etwa 300 Einwohnern ist ein ruhiges und freundliches Fleckchen auf der ansonsten doch schon reichlich verbauten Insel. Itamaracá war übrigens eine der ersten Orte, an denen sich die Portugiesen nach ihrer Ankunft in Brasilien niederließen. Die Siedlung Vila Velha wurde bereits im Jahre 1534 gegründet.
Hier im Dorf scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es sieht noch anders aus und auch die Menschen sind anders. Die Kinder kommen noch aus Neugier auf den Besucher zu und versuchen nicht den Touristen übers Ohr zu hauen, wie man es in Recife und Olinda erleben kann. Möglich, daß Sie beim Dorfrundgang von einer ganzen Schar begleitet werden. Jeder möchte der Ortsführer sein und Erklärungen abgeben. Natürlich freut sich auch jedes Kind auf eine kleine Belohnung, aber auf eine recht nette und angenehme Art, worauf Sie sich gerne einlassen können und dies auch belohnen sollten.

Genießen Sie die Fernsicht zur Sandbank “Coroa de Avião“ und dem “Canal de Santa Cruz“. Lassen Sie sich auf dem Dorfplatz die alte Kirche “Nossa Senhora da Conceição“ aus dem 17. Jahrhundert zeigen und probieren Sie am Verkaufsstand bei der freundlichen Einheimischen die “Tapioca”, eine Art Pfannkuchen aus Maniokmehl mit geraspelter Kokosnuß und Schmelzkäse.
Jetzt bietet sich ein kleiner Spaziergang an. Das Fahrzeug kann man getrost in der Vila Velha stehen lassen. Ein Schild zeigt den Weg zur “Bar do Maruca”. Die Kinder zeigen auch gerne den Weg. Man geht etwa 10 Minuten bergab bis zur Brücke “Porto dos Holandeses”. Erwarten Sie kein Luxusrestaurant oder große Speisekarte, Fleisch gibt es gar nicht. Angeboten wird Fisch, Garnelen, Austern, Krebs- und Muschelgerichte. Dafür sitzen Sie aber an einem traumhaft idyllischen Platz am Wasser, viel schöner und auch preiswerter als in der Nähe vom „Forte Orange“.
Für den größeren Hunger empfehlen wir das Restaurant “Casa de Sape” gleich an der Einfahrt von der Vila Velha auf der rechten Seite. Sie erkennen es auch an der auf Pfählen erhöhten Eßplattform. Probieren Sie vor allem die “Mariscada”, eine üppige Fisch- und Meeresfrüchteplatte für 6 Personen. Aber auch die anderen Gerichte sind ausgezeichnet und die Preise sehr fair.
Vila Velha ist ein kleines Paradies, welches in kaum einem Reiseführer auftaucht. Zum Glück - man bekommt fast ein schlechtes Gewissen hat, den Namen hier zu veröffentlichen.
Am frühen oder späten Nachmittag könnten Sie dann weiterfahren und den Tag am Forte Orange ausklingen lassen. Unweit der Festung liegt die von der IBAMA betriebene Anlage “Centro Peixe-Boi” zur Erforschung der vom Aussterben bedrohten Peixe-boi (Manatees oder Seekühe). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10:00-16:00 Uhr.
Oder Sie schauen sich das Forte Orange an, nehmen noch ein erfrischendes Bad oder genießen einen “Caipirinha” in einer der zahlreichen Strandbars, bevor Sie die Insel wieder verlassen.
Itamaracá hat aber noch viel mehr zu bieten als wir an dieser Stelle für einen Tagesausflug beschreiben können. Naturliebhaber sollten einige Tage für die Insel einplanen. Neben ausgezeichneten Wassersportmöglichkeiten gibt es noch die “Mata Atlântica”, den Atlantischen Regenwald, Mangrovensümpfe, Lagunen und Flüsse. Besichtigt werden können auch antike Kirchen, Festungen, alte Zuckerrohrfarmen und Ruinen.
Weitere Bilder und Eindrücke von Itamaracá gibt es auch in der Fotogalerie auf unserer eigenständigen Foto-Webseite “Brasilien in Bildern”.
Einen privaten Tagesausflug zur Insel Itamaracá ist auch mit uns vom “Recife Surfguide” möglich. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte Sie aus der Rubrik Serviceangebote.

