Der hier beschriebene Ausflug gleicht einer Zeitreise. Zur Karwoche und den Passionsspielen fahren wir zum weltgrößten Freilichtbühne in den “Interior“ (Inland) Pernambucos. Sie befindet sich im Stadtteil “Fazenda Nova” in der pernambucanischen Gemeinde “Brejo Madre de Deus”. Dort finden wir eine Replik von der Stadt Jerusalem aus der Zeit Christus vor. Ein Privatmann baute auf seinem 70.000 m2 großen Landgut einen Teil aus dem Jerusalem der damaligen Zeit nach und fügte die einzelnen Stationen der “Via Sacra“ in die verschiedenen natürlichen Terrain-Formationen ein. Die Idee eine Replik der Stadt Jerusalem zu errichten stammte von Plínio Pacheco und wurde im Jahre 1968 umgesetzt. In diesem Jahr fand auch die Uraufführung statt. Die Theaterstadt liegt mitten in einer kargen Felslandschaft, ähnlich der Judäas, umgeben von einer drei Meter hohen Mauer, die mit sieben Meter hohen Türmen besetzt ist. Die Entfernung über gute Schnellstraßen beträgt von Recife aus etwa 200 Kilometer.
Vor allem während der Karwoche ist Fazenda Nova ein beliebtes Ausflugsziel tausender Brasilianer verschiedenen Alters aus allen Schichten und Landesteilen. Jedes Jahr wird hier während der Karwoche die “Paixão de Cristo“ – das Leiden Christo – in Szene gesetzt. An diesem Spektakel beteiligen sich Hunderte Personen, darunter national bekannte Schauspieler, Statisten und Bühnentechniker. Der Innenbereich verfügt über neun Bühnen. Vom Glauben motiviert laufen die Zuschauer – etwa 10.000 pro Aufführung – während der im Durchschnitt 2 1/2 Stunden dauernden Aufführung unter freiem Himmel mit den Schauspielern von einem Akt zum anderen und werden so selbst zu Statisten. Als Zuschauer wird man regelrecht am Geschehen beteiligt und mit einbezogen.
Alles besitzt reichlich Details, angefangen bei der Tongestaltung bis zu den Statisten, die den Tausenden Zuschauern dieses Riesenspektakels die Augen feucht werden lassen. Mit Hilfe modernster Elektronik und Hunderten von synchronisierten Lautsprechern gelingt es, jeden einzelnen Atemzug der Schauspieler in jedem Winkel des riesigen Geländes zu vernehmen. Phantastische Lichteffekte verleihen den einzelnen Szenen eine zusätzliche Dramatik. Die Spezialeffekte vermischen sich mit der rauhen Landschaft von Pernambuco, die dem wüstenhaften Judäa ähnelt und die Szenen so noch realistischer wirken lassen. Der Höhepunkt der Aufführung ist die Auferstehung von Jesu. Dabei wird der Schauspieler in eine Wolke gehoben.
Die Vorstellung ist für „brasilianische Verhältnisse“ perfekt organisiert. Verlassen Sie sich darauf, daß die Vorstellung um Punkt 18:00 Uhr nach Einbruch der Dunkelheit beginnt. In den hiesigen Breitengraden wird es recht früh um ca. 17:30 Uhr dunkel. Die Tore zur Freilichtbühne werden etwa 2 Stunden vorher aufgemacht. Es lohnt sich, am frühen nachmittag dort einzutreffen, um sich vor der Vorstellung die Kulissen und Umgebung anzuschauen. Vor den Toren findet auch ein Jahrmarkt statt, Andenken und Kunsthandwerk werden angeboten.
Eintrittskarten gibt es ab etwa 1 Monat vor der Karwoche für umgerechnet 15 bis 20 Euro im Vorverkauf. Es werden auch organisierte Busreisen angeboten, welche fast immer einen Besuch auf dem Straßenmarkt in Caruarú beinhalten. So interessant der Markt in Caruarú auch ist, so empfehlen wir nicht, diesen vorher in der brütenden Mittagshitze zu besuchen um später am Abend müde in die Theatervorstellung zu gehen. Reservieren Sie nach Möglichkeit einen separaten Tag für den lohnenswerten Markt, für welchen wir auch an anderer Stelle einen Ausflug beschrieben haben. Fahren Sie nach Fazenda Nova besser gemütlich am späten vormittag los und machen Sie Rast an einem der typischen Restaurants mit pernamucanischer Küche. Genießen Sie die Fahrt und das Klima auf dem Land, um am nachmittag ausgeruht und frisch für die Vorstellung am frühen Abend in Fazenda Nova anzukommen. Wer mit dem Auto fährt, sollte trotz guter Straßen etwa 3 1/2 Stunden Fahrzeit nach Fazenda Nova einplanen.
Die Theaterstadt Fazenda Nova und ihre Freilichtbühne können Sie sich übrigens auch außerhalb der Karwoche das ganze Jahr über anschauen. Es gibt auch eine schöne Unterkunft innerhalb der Theaterstadt, die Pension “Pousada da Paixão“. Wenn man dort oder woanders nächtigt, kann man natürlich außerhalb der Karwoche – anders wie oben beschrieben – durchaus einen Besuch des berühmten Straßenmarktes (Feira Livre genannt) in Caruarú einplanen.
Während der Karwoche und den Aufführungen kann man gegen einen ” Aufpreis” in der Pension “Pousada da Paixão” zusammen mit den Schauspielern nächtigen und sogar als Statist an dem Spektakel mitwirken.
Anfahrtsbeschreibung: von Recife aus sind es etwa 200 Kilometer bis nach Fazenda Nova. Von Recife aus fährt man am besten auf die BR 232-Straße Richtung Westen, vorbei an Gravatá und Bezerros bis nach Caruarú. Dort angekommen, geht es auf die BR 104 in Richtung Campina Grande. Nach ca. 20 Kilometern biegt man ab auf die PE 145. Von dort aus sind es nur noch 22 Kilometer bis zur Fazenda Nova. Die Strecke ist gut ausgeschildert.

